Socialismo o Muerte: Rum oder Bier?

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Da geht’s noch richtig zur Sache, auf Fidels Insel der Glückseligkeit: Socialismo o Muerte heisst es da in Leuchtschrift auf dem Neubaublock in Santa Clara. Und die Einheimischen, die von den Touris darauf angesprochen werden, antworten in der Regel nur mit einem Wort: „Muerte!“ Sie trinken auch keinen „Cuba Libre“, denn Kuba ist ja gar nicht frei, sie nennen das populäre Getränk schlicht „Liar“ oder „Mentiroso“ – Lügner. Dabei trinken sie ihren Rum ohnehin pur, auch wenn er meist reiner Fusel ist. Denn Rum ist billig im Sozialismus.

Das war schon in der DDR so, nur da gab es statt Rum „Erntegold“, „Nordhäuser Doppelkorn“ oder „Blauer Würger“, natürlich standen auch „Goldi“ oder „Pfeffi“ und selbstverständlich auch der legendäre „Kreuz des Südens“, ein zuckersüßer Aprikosenlikör mit Rum vom VEB Nordbrand Nordhausen, hoch im Kurs. In Kuba trinken alle Rum – am Strand bei 35 Grad Hitze, beim Tanz am Wochenende vor der Haustüre oder beim TV-Glotzen, wenn wieder eines der populären Baseballspiele zwischen den „Industriales“ aus Havanna und deren Erzrivalen aus Santiago de Cuba gezeigt wird. Auch Bier wird in Massen getrunken, wobei die populären Sorten „Bucanero“ und „Cristal“ nur gegen den harten, den „Touristenpeso“, verkauft wird. Einen CUC (Peso convertible) kostet die Dose, die vom Weltmarktführer Anheuser-Busch auf den Markt gebracht wird, nur die Marke „Mayabe“ ist für einheimische Währung zu bekommen. Auf dem Heimweg von einem Wochenende in einem echten kubanischen „Campismo“ mit Betonhäusern, nur zwei Stunden fließend Wasser am Tag und einem Traumstrand hielten wir in Manacas, einem Nest irgendwo auf dem Weg nach Santa Clara. Dort wohnten ein paar langhaarige Rock’n’Roller, die uns zu Ehren eine Trash-Scheibe von Iron Maiden so laut aufdrehten, dass die üblichen Latin-Schmacht-Radiostücke von Prince Royce und Gesinnungsgenossen nicht mehr zu hören waren. Der Flecken, dessen sehenswerteste Sehenswürdigkeit die Rumfabrik „George Washington“ ist, hat einen gewissen Bekanntheitsgrad für sein gutes, selbstgebrautes Bier erlangt. Und so standen wir mit dutzenden Kubanern vor der Trinkhalle mit dem schönen Namen „La Perla“ und hielten dem Standpersonal unsere leeren Anderthalbliter-Flaschen aus Plaste hin, um das kostbare Naß eingeschenkt zu bekommen. Wir tranken eine ganze Menge an diesem Tag und waren wohl sechs oder sieben Mal an der Bude, wo das Gedränge an diesem heißen Sonntagnachmittag niemals auch nur einen Millimeter nachließ.

(Auszug aus dem im Entstehen begriffenen Buch: „Harlistas in der Karibik“; erscheint im Herbst 2014 bei Backroad Diaries)

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Gedränge vor „La Perla“

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Wenn die Gläser alle sind, gibt’s Bier auch schon mal aus der halben Plastikflasche.

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Da hats ein Cristal nicht einfach – 25% Marktanteil in Kuba. Bucanero hat 50%.

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Egal, was getrunken wird – Spaß gibt’s immer massig.

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