Der Erfolg der Legende – ein Trostpflaster für die Wut

Die ersten drei Tage lassen sich gut an, was den Verkauf der Leutzscher Legende angeht – dennoch ist dieser kleine Erfolg nur ein Trostpflaster für die Wut, die Autor Jens Fuge beim Schreiben regelmäßig packte.

„Das war wirklich neu für mich, dass man mitten im Schreibprozess die kalte Wut bekam, wenn man die teilweise ungeheuerlichen Vorgänge beschreiben musste, die einem beim recherchieren begegneten“, erinnert er sich an die Stimmungslage im letzten Winter, als er die Neufassung der Legende verfasste. „Zum größten Teil habe ich die Dinge ja ganz nah mit erlebt und kannte sie natürlich, aber nach den Jahren sind Wut und Zorn einer Art schulterzuckenden Resignation gewichen. Ändern kann man es ja eh nicht mehr, was dem Verein alles angetan wurde und was geschehen ist“. Doch beim Schreiben kamen die Erinnerungen wieder hoch – und die Wut. „Warum wir nicht damals viel entschlossener den einen oder anderen zum Teufel gejagt haben, kann man sich heute kaum mehr vernünftig beantworten“, sagt der Autor. Aber auch heute noch ließen sich die gleichen Mechanismen beobachten, ob beim so gepushten Kunstprojekt Red Bull oder beim rivalisierenden Leutzscher Nachbarn SG Sachsen. „Die Leute wollen an etwas glauben, sie klammern sich oft bis zuletzt an teilweise abstruse Vorstellungen, nur, um ihren Traum von irgendetwas nicht aufgeben zu müssen. Sei es der Traum vom `guten Fußball`oder der Traum vom `besseren Leutzscher`. ´Das macht oft kritiklos und blind“. Daran ist letztlich der Leutzscher Fußball so grandios gescheitert, so Fuge. Wer die neuen Kapitel aufmerksam lese, wird verstehen, dass in der permanenten Abfolge sich an Dilletantismus und Egoismus stets noch weiter übertreffender Präsidialer kein Platz war für das Wohl des Vereines. Auch der Leser, so Jens Fuge, wird in die gleiche Situation gelangen wie er, und Wut und Ohnmacht verspüren angesichts so vieler Fehler und Peinlichkeiten. Am Ende aber ging es ihm besser, berichtet der Autor. Als er ein Spiel der BSG Chemie besuchte und kurz darauf dem chemischen Weihnachtsmarkt in Connewitz einen Besuch abstattete, sei ihm klar geworden, dass nicht alles verloren sei. Denn der Verein lebe, besonders durch seine jungen und kreativen Fans, aber auch durch die Älteren, die endlich begriffen haben, dass es sich auch bescheiden und ohne den ständigen Drang nach dem ersten Platz gut leben lasse. Sogar etwas Stolz habe er verspürt, als er die vielen engagierten jungen Leute sah, die sich selbstlos und ohne große Attitüde für ihre grün-weißen Farben einsetzten und die Stände betreuten, Eintritt kassierten, Ordnungsdienst verrichteten, Fanartikel herstellten und verkauften und so weiter. „Das hat mir Hoffnung gemacht, dass der Funke weiter glimmt, und dass die Sache nicht verloren ist“, so Jens Fuge. In dieser Stunde habe er sich entschlossen, einen Teil des Bucherlöses dem Nachwuchs der BSG Chemie Leipzig zu übereignen. „Die Geschichte unseres Vereines gehört uns allen. Ich habe sie nur aufgeschrieben. Aber vielleicht hilft das Buch ja eine Winzigkeit bei der Entwicklung der zarten Pflanze in grün weiß“.

Schreibe einen Kommentar