Interview mit Jens

Der Verlag „Backroad Diaries“ bringt gleichnamige Reihe auf den Markt: Abenteuer mit der Harley, unter Rockern, in Motorradclubs, in Syrien, Beirut, Jordanien, Kuba, Russland, Ukraine, USA und Europa. Dahinter steckt der Autor, Journalist und Harley-Enthusiast Jens Fuge. Er veröffentlicht in Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine und Bikers News, schrieb bislang Bücher über Fußball und besitzt zwei Harleys – eine in Deutschland, eine in den USA. Er hing mit den Hells Angels-Legenden Sonny Barger und Johnny Angel ab, bretterte auf einer 54er Flathead mit dem Sohn des Revolutionärs Che Guevara über die Karibikinsel Kuba und stellte einen neuen Rundenrekord für E-Glides auf dem Rennkurs der Isle of Man auf. Ein Gespräch.

Die Liste der bisherigen Abenteuer, die du auf der Harley erlebt hast, ist lang. Was war die bisher aufregendste Situation?

Jens Fuge: Das ist schwer zu sagen. Die Herde Bisons, in die ich auf einer Brücke im Yellowstone Nationalpark geriet und die fünf Minuten lang um mich herum stand, ehe sie weiterzog? Oder die Leibwächter von Baschir Assad, die uns nachts in Damaskus auf einer Straße mit gezogenen Pistolen zur Umkehr zwangen, weil wir dem Präsidentenpalast unerlaubterweise zu nahe gekommen waren? Nein, ich weiß: Als ich 2008 mit meiner Ultra Electra Glide die Rennrunde auf der Isle of Man dreimal hintereinander gefahren bin und dabei einen neuen Rekord aufgestellt habe.

So? Wer führt denn Buch über Rekorde mit einem Harley-Dickschiff?

Der einheimische Harley-Club Moddey Dhoo MCC, das heißt auf gaelisch Schwarzer Hund, hat mir eine Zeit genannt. Und die habe ich im dritten Anlauf unterboten.

Und, wie schnell war’s denn?

Also, zum gültigen Rundenrekord von 17:11 min von McGuiness ist noch Luft gewesen. Ich glaub, ich hab 58 Minuten gebraucht…

Ha! Bist du unterwegs in ein Gasthaus eingekehrt?

Quatsch, aber die Ampeln waren noch an und die haben dort etliche Kreisverkehre. Aber ich war unter der Zeit, die mir die Einheimischen genannt hatten. Hat aber glaube ich, selten jemand gemacht auf ’ner Ultra. Weißt du eigentlich, wie brutal die ins Schaukeln kommt? Der Scheiß-Rahmen der Harleys von vor 2009 ist wirklich gefährlich…

Was sollen da deine Freunde aus der kubanischen Schrauberszene sagen? Die fahren allesamt Starrahmen…

Aber der ist eben starr. Aber nicht besonders bequem. Hab ich gemerkt, als ich mit Ernesto Guevara gefahren bin…

… dem Sohn des großen Revolutionärs.

Ja, das ist er wohl, aber er will davon nichts wissen. Ich sehe seinen Vater eher skeptisch. Aber einen Vorteil hat der Sohn: Er hält immer mal an und dann gibt’s einen Rum, so dass der Hintern nicht zu sehr schmerzen kann. Ist doch rücksichtsvoll, oder?

Zweifellos. Und was gab’s bei Sonny Barger zu trinken, dem Begründer der Hells Angels?

Moonshine, einen 80prozentigen Likör. Sehr süß. Sehr klebrig. Und greift sofort das Gehirn an. Aber Sonny hat selbst nichts getrunken, hat das Zeug nur angepriesen. Clever…

Dafür gab es doch bestimmt Drogen und Mädels satt…

Woher hast du den Quatsch nur? Liest du zu viel Zeitung? Sonny ist ein disziplinierter smarter alter Mann, der genau weiß, woher er kommt und welchen Ruf er hat. Der gönnt sich keine Laxheiten. Morgens um fünf steht der jeden Tag auf und widmet sich seinen Pferden.

  1. Dafür hattest du wenigstens Spaß beim Fahren…

Jede Menge sogar, bei 50 Grad in Tucson oder bei minus zehn in der Sierra Nevada. Auf endlosen geraden Highways genauso wie in den Rocky Mountains, in den Wüsten ebenso wie in den dichten Wäldern Wyomings. Ich glaube, ich habe 50 000 Kilometer allein in den Staaten abgerissen.

War da die Route 66 auch dabei?

Klar, einmal komplett. Aber auch das wochenlange cruisen durch die Südstaaten, die einmalige Fahrt über die Florida Keys nach Key West oder die Stadtfahrten durch Chicagos und New Yorks Hochhausschluchten waren toll. Und natürlich der endlose Highway 50, auch „the lonliest Highway of Amerika“ genannt, war erlebnisreich. Vegas, LA, Frisco sind die Klassiker im Südwesten, Arizona begeistert durch seine Vielfältigkeit. Und in Freso, Kalifornien, erlebte ich ein riesiges Motorradtreffen nur für schwarze Bikerclubs.

Klingt gut. Und all diese Erlebnisse können wir nachlesen in deiner neuen Reihe „Backroad Diaries“?

Die ersten beiden Bände sind raus. „Höllenritt durch Arizona“, in dem es um Sonny Barger und Johnny Angel geht, die ich beide daheim in ihren Häusern besucht habe, mit denen ich Seite an Seite fuhr und deren Anniversary-Feier ich mit erlebte. Stell dir vor, die sind 54 und 56 Jahre bei den Hells Angels! Außerdem geht es um etliche Clubs, mit denen ich abhing, rumfuhr und feierte: ALMA MC, Loners MC, Soul Brothers MC, Hells Angels MC und andere.

Und der zweite Band behandelt Kuba?

Ja, da sind wir 3000 km durchs Land geritten, haben eigentlich unpassierbare Straßen bezwungen, geile Partys gefeiert und die letzten kubanischen Harley-Fahrer kennen gelernt. Eine ganz spezielle Spezies, die es faustdick hinter den Ohren hat.

Und die kubanischen Mädchen – sind die wirklich so heiss, wie stets gerühmt wird?

Also ähm, ja, schon, denke ich. Es gab ja viele Situationen, in denen man eigentlich nen Kopp wie ne Glühbirne kriegt und denkt, hoppla, was geht denn hier ab? Etliches ist im Buch „Harlistas in der Karibik“ nachzulesen.

Wie kommst du an die vielen Kontakte zu den MCs vor Ort? Sind da nicht viele misstrauisch?

Na, es geht schon. Entweder gibt es Empfehlungen aus Deutschland, wo man mich von meiner Tätigkeit für die Bikers News ganz gut kennt, oder ich kenne andere, die wiederum jemanden kennen. Oder ich melde mich ganz klassisch an, einfach so, wie in Murmansk, wo ich letztes Jahr war.

Was um Himmels willen…?

Ganz einfach: Wenn man zum Nordkap will, und das wollten wir, dann braucht man Schnaps. Und den brauchten wir, weil wir nach Old School-Art reisten: mit Zelt und Lagerfeuer. Und da braucht man ein wenig Wärmendes. Und da die Einfuhr nach Skandinavien begrenzt und unser Durst wohl etwas größer als die mitgeführten Vorräte war, mussten wir kurzerhand nach Murmansk, um dort neue Vorräte einzukaufen. Sind nur 700 Kilometer Umweg. Hat sich doch gelohnt, oder?

Kann man nichts dagegen sagen. Worauf freust du dich in diesem Jahr am meisten, wenn es ums Reisen geht?

Och, da ist eine Menge. Eine Alpentour mit unserem Harley-Club, und später statten wir Dubai einen Besuch ab. Selbstverständlich auf den Harleys. Und in Kuba muss das neueste Buch promotet werden. „Cuban Harleys, mi Amor“. Ein wunderschönes Fotobuch mit 50 Porträts der legendären „Harlistas“, die seit 60, 70 Jahren ihre alten Harleys auf der Straße halten. Irre Geschichten, geile Pics – und das ganze ist dreisprachig in englisch, spanisch und deutsch. Da gibts einiges zu erfahren…

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